11.05.2026
UNESCO-Welterbe leben: Musikerinnen und Musiker aus Danzig, Bremen und der Ukraine haben als "internationales UNESCO-Welterbe-Triple" ein Programm aus Freiheits- und Friedensliedern erarbeitet - als Zeichen von Solidarität und Hoffnung und im Sinne des gemeinsamen Erbes der Kultur. Sie repräsentieren drei Kulturstädte mit bedeutsamen UNESCO-Themen, die jahrhundertelang geprägt sind durch die Idee von Freiheit und Solidarität. Und sie engagieren sich damit für das Welterbe in Gefahr in der Altstadt von Odesa.
Der Verein zur Förderung des Welterbes Rathaus und Roland in Bremen e.V. hat das Konzert zum diesjährigen UNESCO-Welterbetag mit dem Motto "Gemeinsam für Frieden und Verständigung" initiiert. Es findet statt am Donnerstag, 4. Juni 2026 um 18 Uhr im Bremer Rathaus. Es musizieren: "Die Grenzgänger" / Bremen, der Frauen-Chor "Gloria" / Ukraine-Odesa-Bremen, sowie Cezary Paciorek, Akkordeon und Arrangements, Franciszek Paciorek, Saxophon und Katarzyna Rogalska, Geige und Vocal aus Danzig.
Das Konzert am Vorabend der vom 5. bis zum 7. Juni 2026 stattfindenden Bremer Welterbetage steht unter der gemeinsamen Schirmherrschaft von Bürgerschaftspräsidentin Antje Grotheer und Bürgermeister Andreas Bovenschulte. Der Eintritt ist frei. Um Spenden wird gebeten unter: Stiftung Solidarität Ukraine, Stichwort: "Welterbe ODESA" (Spendenkonto | Sparkasse Bremen, IBAN: DE71 2905 0101 0083 3841 31, BIC: SBREDE22XXX)
Ein wunderbares Lied von Andreas Jeiteles, aus der Zeit der 1848er Revolution. "Die Grenzgänger" spielen es seit einigen Jahren zum Ende ihrer Konzerte. Gemeinsam mit dem Chor "Gloria UA" (Ukraine/Bremen), den "Solidarity Messengers" der Sängerin Katarzyna Rogalska und dem Akkordeonisten Cezary Paciorek und dessen Sohn Franciszek (alle drei aus Danzig) haben sie eine dreisprachige Version von "Ohne Freiheit kann ich nicht sein" eingespielt, die ab Ende Mai als Download bereitstehen wird.
Das Trio "Solidarität Messengers" aus Danzig hat sich eigens für dieses Projekt gefunden: Katarzyna Rogalska ist eine Sängerin aus Leidenschaft, sucht und wählt stets die schönsten Melodien. Sie ist eine versierte Violinistin und arbeitet mit den wichtigsten Orchestern in Danzig zusammen. Sie veröffentlichte vier Alben als Solokünstlerin und spielte unzählige Alben als Mitglied anderer Bands ein. Ihr Repertoire umfasst klassische Unterhaltungsmusik, Chansons und thematische Alben, oft mit einer nostalgischen Note.
Cezary Paciorek ist vor allem als Jazz-Akkordeonist bekannt, und am Klavier arbeitet er mit den besten polnischen Jazzmusikern zusammen. Er veröffentlichte acht eigene CDs und wirkte als Studiomusiker an über 50 CDs mit. Er komponierte zahlreiche Lieder und Jazz-Originale und realisierte auch größere Projekte mit Orchestern.
Franciszek Paciorek, Sohn von Cezary, ist erst 16 Jahre alt, beherrscht aber das Saxophon bereits meisterhaft. Seine Musik-Interessen reichen von Klassik bis Jazz.
Das Bremer Quartett "Die Grenzgänger" ist nach Tausenden von Konzerten in halb Europa, zahlreichen Radio- und Fernsehauftritten, fünf Schallplattenpreisen und mehreren Nummer-Eins-Titeln in der Liederbestenliste unter Freunden traditionellen Liedguts längst mehr als ein Geheimtipp. Ihre unbändige Spielfreude und gleichermaßen unterhaltsam wie intelligent gestrickten Programme begeistern ein immer breiteres Publikum.
Die Grenzgänger zeigen, wie Geschichte entsteht: in Konzerten zwischen den Genres, den Generationen und den Zeiten.
Der "Sound" der Grenzgänger ist dabei außergewöhnlich: Felix Kroll zaubert am Akkordeon ein ganzes Orchester auf die Bühne, Frederic Drobnjak spielt an der Gitarre im Stile eines Django Reinhardt groß auf, Annette Rettich berührt am Cello, dessen Klang mit der Stimme von Michael Zachcial verschmilzt, der auf unverwechselbare Art unsere Geschichte und die alten Lieder mit dem Hier und Jetzt verbindet. "Eine ganz große Ausnahme im Musikgeschäft!" (DeutschlandRadio Kultur)
"Wir werden oft gefragt, aus welcher Stadt wir kommen. Die Antwort ist - aus allen. Aus jeder Ecke der schönen Ukraine: von Charkiw bis Lwiw, von Tschernihiw bis zur Krim. Wir alle, die vom Krieg geflohen sind, haben uns hier in Bremen getroffen, um unsere einzigartige Kultur zu pflegen und zu bewahren.
Die Ukrainer sind ein traditionell singendes Volk. Unsere Geschichte ist genetisch im ukrainischen Gesang verwurzelt. Vom Ursprung bis zum heutigen Tage singen wir über unser Leben. In unserem Repertoire verbinden wir auf natürliche Weise traditionelle Volkslieder mit modernen Songs, Balladen und Rockhits in unserer Vision. Wir singen über Liebe, Glauben und Leben, Krieg und Verlust, Freiheit und Gerechtigkeit", Yana und Falco Wermuth.
Das Konzert und die Zusammenarbeit der Musikerinnen und Musiker, samt anschließender Dokumentation auf Ton- und Datenträger wurden ermöglicht durch private Förderungen, durch die Karin und Uwe Hollweg Stiftung sowie die GEWOBA in Bremen.
Erschütternd ist es, Tag für Tag die Nachrichten und auf der Homepage der Hafenstadt Odesa die Liste ihrer im Krieg getöteten Kämpfer zu verfolgen. In der Altstadt von Odesa, die mit ihren bedeutenden Kulturstätten 2023 von der UNESCO gleichzeitig in beide Listen: die der Welterbestätten und diejenige des "Welterbe in Gefahr" eingeschrieben wurde, sind die Folgen des Krieges überall sichtbar. Bisher sind dort allein 65 Kulturstätten beschädigt. In der Ukraine insgesamt hat die UNESCO (bis Ende März 2026) insgesamt 525 Kulturstätten als "beschädigt" verifiziert.
Trotzdem wird dort intensiv über Zukunftsstrategien - vor allem auch über kulturelle Aktivitäten - nachgedacht. Die 5. internationale "Ukraine Recovery Conference" findet am 25./26. Juni 2026 in Danzig statt. Im Fokus sind Wiederaufbau der Ukraine, Sicherheit und Verteidigung, wirtschaftliche Zusammenarbeit, regionale Entwicklung und die Prozesse zur EU-Mitgliedschaft. Außerdem fokussiert sie auf die Folgen der durch Krieg verletzten, traumatisierten Veteranen und die ganze Gesellschaft.
Mitgliedsstaaten der UNESCO und ihre Partner überwachen die Lage, gewährleisten Zugang zu Bildung, schützen Journalisten, helfen Künstler:innen und bewerten die Auswirkungen auf das kulturelle Erbe.
Die drei Städte haben intensive Beziehungen, Danzig und Odesa bereits seit 1996, Bremen und der Oblast Odesa seit 2023, teilweise leben sie sogar eine Dreier-Partnerschaft. Die Städtepartnerschaft Bremen-Danzig feiert in diesem Jahr 50jähriges Bestehen. In Danzig wird im Juni die fünfte internationale Konferenz zum Wiederaufbau der Ukraine stattfinden. Bremen, Danzig und Odesa zeichnen sich seit Jahrhunderten durch kulturelle Vielfalt und unbedingten Freiheitswillen aus. Alle drei sind dazu mit besonderen Themen im weltweiten Netz der Vereinten Nationen zum einzigartigen kulturellen Erbe der Menschheit verzeichnet: In Odesa ist es die gesamte Altstadt mit ihren Kulturstätten und Artefakten als Zeugnis gelebter Vielfalt in europäischer Tradition vieler Jahrhunderte. In Bremen stehen Rathaus und Roland für gelebte Autonomie und Eigenstaatlichkeit, für die Selbstverwaltung ihrer Stadt in republikanischer Tradition.
Die Solidarność (Solidarität), mit Lech Wałęsa 1980 auf der Lenin-Werft in Danzig gegründet, war die wohl bedeutendste unabhängige Gewerkschaft im Ostblock und ein Meilenstein zum Sturz des Kommunismus. Die 21 Streikforderungen der Gewerkschafter gehören als "universal bedeutsam" und seit 2003 von der UNESCO geschützt wie die Gutenberg-Bibel, wie die Archive des Warschauer Ghettos, die Kolonialarchive Benins, Senegals und Tansanias oder die Sammlung indigener Sprachen in Mexiko zum Weltdokumentenerbe, dem Register des "Memory of the World". Die originalen Holztafeln sind im Europäischen Solidarność-Zentrum (ECS) zu sehen. Sie gelten als "die Mona Lisa" des vielfach preisgekrönten Museums.
Hier geht es zur Website des Vereins: www.rathaus-roland.de